Geocaching im Grenzbereich! Polen – Litauen – Russland

Es folgt ein Gastbeitrag von Oliver, in Logbüchern auch bekannt unter „doktorpepper“.
Er ist 27 Jahre alt und wohnt in Stuttgart. Geocaching hat er seit April 2010 für sich entdeckt. Seine Webseite ist unter www.schweizwochen.de zu finden.

 

Polen wird als Urlaubsland bei uns Deutschen immer beliebter und vielleicht steigert auch die derzeitige Fußball Europameisterschaft das Interesse noch ein wenig. Weit weg von den EM-Stadien und von deutschen Touristen wenig besucht ist jedoch die Region rund um Suwałki, einer 70.000-Einwohner-Stadt im Nord-Osten des Landes. Es ist auch gar nicht so einfach dorthin zu kommen. Mit dem Zug ist es eine halbe Weltreise. Wir haben uns entschieden dieses Mal wieder mit dem Zug zu fahren. Von Stuttgart aus ist das eine zweitägige Reise mit drei Umstiegen. Mit dem Auto ist die Fahrt ebenso beschwerlich wie lang. Eine Alternative ist dabei die Fähre von Kiel nach Klaipeda. Von der litauischen Hafenstadt erreicht man Suwałki in rund 3,5 Stunden.

Der Grund meiner Reise war nicht das Geocachen, aber ganz darauf verzichten wollte ich dennoch nicht. Der Blick auf die Karte bei Geocaching.com ist jedoch ernüchternd. In Suwałki selbst ist kein einziger Cache gelistet! Im Umland gibt es dünn verteilt einige Caches, die meisten jedoch einige Jahre alt und oft wenig gepflegt. Viele Caches hier sind von Auswärtigen gelegt und daher in teils schlechtem Zustand oder gar nicht mehr da, trotz aktivem Listing.

Da ich bereits wusste, dass Groundspeak mit seiner Plattform in Polen nicht Marktführer ist, meldete ich mich aus Interesse bei Opencaching.pl an und siehe da, ganz so wenige Caches wie auf den ersten Blick, gibt es doch nicht. Dennoch hatte ich keine Lust mich auf einer weiteren Plattform auszutoben und werde bei OC erst mal ein Leben als Karteileiche fristen.

Ich suchte mir den von unserer Unterkunft nächsten, von mir noch nicht gefundenen Cache aus. Google Maps sagt mir, dass er neun Autokilometer bzw. rund eine halbe Stunde entfernt ist. Dass Google mit dieser Zeiteinschätzung nicht übertreibt, weiß, wer die Straßen hier kennt. In Deutschland wäre an solchen Wegen vermutlich ein Schild „Forstwirtschaftlicher Verkehr frei“ – hier sind es die Straßen, die die Dörfer verbinden. Da ich mit meinem eigenen Auto bereits mal aufgesessen bin, weil die Straße gewölbt ist, war ich froh, diesmal nicht mit meinem eigenen Auto unterwegs zu sein. Der gesuchte Cache ist GCX8K8 – ein Regular-Tradi mit Parkmöglichkeit keine 100 Meter entfernt. Dazu eine schöne Aussicht auf die umliegende Seenlandschaft. Keine schlechten Voraussetzungen. Der Cache ist bereits seit dem 21. Juli 2006 aktiv und nicht sonderlich schwer. Trotzdem bin ich gerade mal Cacher Nummer 33 der das Logbuch dieser Dose signiert.

Bei meiner Recherche weckt allerdings ein anderer Cache mein Interesse: GC3K0W1 – ebenfalls ein Tradi, allerdings diesmal ein Nano. Dieser Cache dürfte der neueste in der Region sein. Erst seit 9. Mai 2012 ist er aktiv und hatte bei meinem Aufenthalt Anfang Juni erst einen Finder. Zwar bin ich ganz und gar kein FTF-Jäger, doch mein erstes Mal auf einem Treppchenplatz reizte mich schon sehr, doch auch der Cache selbst klang für mich vielversprechend. Der Ort, das Dreiländereck Polen – Litauen – Russland, faszinierte mich und war laut Google Maps 37 Minuten von unserer Unterkunft entfernt.

Vom Parkplatz aus erreicht man das Dreiländereck nach wenigen Schritten. Den Punkt, an dem die drei Grenzen aufeinandertreffen markiert ein 2010 errichteter Obelisk. Mehrere Warnschilder bieten Informationen zu diesem Ort. Auch ohne Beschilderung würde man gleich erkennen, welches die russische Grenze ist. Hinter einem hohen Zaun beginnt, von einer Kamera geschützt, das größte Land der Erde: Russland. Auch auf Deutsch werden die Besucher davor gewarnt die Grenze zu Russland zu überschreiten, das Gebiet auf der anderen Seite der Grenze zu fotografieren oder sich mit Menschen über die Grenze zu unterhalten. Außerdem wird vor Geldstrafen gewarnt. Da ist das Auswärtige Amt schon drastischer, das bei den Reisehinweisen für Polen warnt, dass Wanderer an anderer Stelle nicht versehentlich über die an manchen Stellen schwach gekennzeichnete Grenze gehen. Dort heißt es, dass schon wenige Meter versehentlicher Grenzübertritt zu einer Verhaftung und mehrjährigen Haftstrafe führen könnten.

Erstes Warnschild

Das zweite Warnschild warnt auch nur rund um den Obelisk russisches Terrain zu betreten

 

Ein Warnschild warnt mit Foto davor auch nur die russische Seite rund um den Obelisk zu betreten. Klar, dass wir das – wie vermutlich die meisten Touristen hier auch – das dennoch taten und das obligatorische Erinnerungsfoto machten. Die russischen Grenzwächter blieben fern und zur Not hätte ja ein Schritt gereicht, um wieder auf polnischem Staatsgebiet zu sein. Ein späterer Blick auf das Satellitenbild bei Google Earth zeigte uns jedoch, dass der Stein eh nicht genau auf der Grenze steht sondern wenige Meter davon entfernt, komplett auf polnischem Staatsgebiet. Trotzdem ein ganz besonderer Ort, wie ich finde. Zwar sieht man letztendlich nur einen großen Stein und einen Zaun, aber ich finde den Ort spannend. Es ist schon etwas anderes als das Dreiländereck Deutschland, Österreich, Schweiz…

Laut Google Earth ist der Obelisk eh nicht direkt auf der Grenze…

 

Das Listing des Caches ist ausführlich in drei Sprachen verfasst: Polnisch, Deutsch und Englisch. Amüsant: Hier in der Pampa, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, ist der Owner… ein Deutscher. Wir haben seit meinem Log Mailkontakt und gemeinsame Schatzsuchen in Polen in Zukunft nicht ausgeschlossen. Schon lustig, wie man durchs Cachen manchmal Menschen kennen lernt – auch in solch abgelegenen Regionen. Und auch cachearme Regionen bieten wie man sieht oft lohnende Caches, an die man sich noch lange erinnert. Meine Bilanz nach 1,5 Wochen Aufenthalt: Zwei gesuchte und gefundene Caches vor Ort. Keine gute Ausbeute auf den ersten Blick, aber die Statistik ist nicht alles. Letztendlich zählt Qualität. Für mich war das daher – auch aus Cachersicht – ein durchaus gelungener Urlaub.

Über Gastbeitrag

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  1. Edgar Mohr sagt:

    hallo,
    auch ich war vor einer Woche an diesem besagten Grenzstein. Dies „standesgemäß“ mit russischer Militär Kampfjacke und einer russischen Ural. Ich gebe dir recht. Es ist ein ganz besonderer Platz. Egal wo ich in Europa bis jetzt war, nirgends hatte ich ein solch wechselhaftes Gefühl verspürt.

    Emsbiker

  2. Patrick sagt:

    Das der Stein bei Google Maps nicht gena auf der Grenze stand, hat aber wahrscheinlich einfach was damit zu tun, dass die Grenzlinien bei Google Maps nicht 100% genau sind. 😉 Ist mir bei anderen Grenzen auch schon aufgefallen… 🙂

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